
Berlin, 14.5.04 -
Heute werde nicht eine neue Partei gebraucht, sondern eine neue politische Kultur. Das war die Kernaussage im Referat von Luciana Castellina von der Zeitung »Il Manifesto« in Italien. Und: »Die heutige Bewegung kann das schaffen.«
Ihre wesentlichen Thesen entwickelte sie im Vergleich der 68er Bewegung mit der heutigen Bewegung der Globalisierungskritiker. Auch die 68er sei eine globale Bewegung gewesen, habe die Frage nach der Modernität gestellt und die Gesellschaft verändert, sei jedoch letztlich niedergeschlagen worden. Zu ihren Irrtümern gehört: Die Gesellschaftsform sei als »Spätkapitalismus« verkannt worden. Und alle Fraktionen der 68er hätten nur die politische Machtfrage ins Zentrum ihrer Aktivitäten gestellt.
Heute sei ein politisch-kultureller Gegenentwurf nötig, in dem nichtökonomische Werte wie Menschlichkeit, die Erhaltung der Umwelt und Dinge, die die Lebensqualität verbessern, im Mittelpunkt stehen. Dazu gehöre eine kulturelle Revolution, die Elemente der Selbstverwaltung, der freiwilligen Arbeit und der kollektiven Dienstleistung enthalte.
Es reiche nicht, die parlamentarische Mehrheit zu erringen. Andererseits jedoch bedeute der Verzicht auf Politik Ohnmacht. Dieses Dilemma sei zu überwinden. »Wenn wir eine andere Welt möglich machen wollen, brauchen wir die Wiederbelebung der
Politik.«