»Perspektivenkongress - Es geht auch anders«;
14. - 16. Mai Berlin

Berichterstattung

Biopiraterie

Eine Einführung
Workshop – Achse 14

Referentin Christiane Gerstetter

Biopiraterie als Form exklusiver Wissensaneignung durch die Konzerne des Nordens untergräbt Zukunftschancen in den Ländern des Südens und kann zu einer neuen Form kolonialer Ausbeutung führen. Christiane Gerstetter, Juristin der BUKO-Biopiraterie-Kampagne, stellte in einem Workshop Formen und Gefahren der Biopiraterie vor und diskutierte mit den TeilnehmerInnen Möglichkeiten des Widerstands.
Die Veranstaltung litt unter einer falschen Ankündigung im Programmheft. Nicht um die WTO und ihre Streitschlichtungsverfahren ging es, sondern um Biopiraterie. Biopiraterie ist die planmäßige Aneignung traditionellen Wissens und die Auswertung in Form von Patenten, Markenrechten oder Sortenschutzrechten. Dabei schicken die Konzerne des Nordens selbst Bioprospektoren oder sie arbeiten mit Forschungsinstituten im Süden zusammen. Traditionelles Wissen, etwa über Pflanzen mit besonderen heilenden oder schädlingsresistenten Eigenschaften, wird gesammelt. Dann werden die Wirkstoffe extrahiert und in ein am Markt verkäufliches Produkt umgewandelt. Das Ergebnis dieser Bemühungen kann dank internationaler Verträge, etwa dem TRIPS-Abkommen, nahezu weltweit unter Exklusiv-Schutz gestellt werden: Niemand sonst als der Biopirat darf die produktförmige Umsetzung des traditionellen Wissens verwenden. Der Süden verliert nicht nur Exportchancen in den Norden, sondern auch im Süd-Süd-Handel.
Wie kann dagegen vorgegangen werden? Einmal gibt es juristische Möglichkeiten, Patentanfechtungen im Einzelfall etwa. Die internationalen Verträge, allen voran das TRIPS-Abkommen müssen so ausgelegt werden, daß traditionelles Wissen nicht schutzlos ist. Dazu ist insbesondere Lobbyarbeit in den internationalen Gremien nötig. Darüberhinaus müssen die BäuerInnen im Süden und die VerbraucherInnen im Norden über Biopiraterie aufgeklärt werden.
Perspektiven eines anderen Umgangs mit den Ressourcen des Südens sind erst in Ansätzen erkennbar. Umstritten ist, ob das CBD, ein internationaler Vertrag über die biologische Ressourcenvielfalt, mit seinen Regelungen eines Interessenausgleichs zwischen den Ländern des Südens und den Konzernen des Nordens, hilfreich ist und ob das traditionelle Wissen des Südens unter eine ähnlichen Monopolschutz gestellt werden soll wie etwa Patente.
Weitere Informationen unter www.biopiraterie.de und www.attac.de/wissensallmende.

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