»Perspektivenkongress - Es geht auch anders«
14. - 16. Mai Berlin

Berichterstattung

 

Paul Oehlke, Klaus Pickshaus, Gerd Peter, Ingrid Kurz-Scherf

Gute Arbeit als politische Aufgabe

 

In einem Workshop des Perspektivenkongresses in Berlin stellte die IG Metall ihre arbeits- und gesundheitspolitische Initiative »Gute Arbeit« vor. Es handelt sich formal um die Fortsetzung eines Programms, das früher unter dem Etikett »Humanisierung der Arbeitswelt« lief, allerdings auf einem erheblich breiteren Niveau. Hintergrund der Initiative:

  1. Die zunehmende Entgrenzung von Arbeitszeit und Leistungsanforderungen im Rahmen marktzentrierter Steuerungsmodelle in den Unternehmen führen immer häufiger zu Arbeitszeiten, die kein Ende finden, und zu Dauerstreß. Die Arbeit muß folglich zu einem im Wortsinn gesunden Maß zurückfinden und den Leistungsdruck begrenzen.
  2. Nur ein Drittel der Beschäftigten erreicht das reguläre Rentenalter von 65 Jahren. Der größere Teil der Frührentner scheidet aus Gesundheitsgründen aus dem Arbeitsleben aus. Daraus ergibt sich eine Forderung nach einer Arbeitsgestaltung, die den Alterungsprozeß der Beschäftigten im Blick hat. Es reicht nicht zu fordern, die Potentiale Älterer stärker zu nutzen. Es müßten vielmehr auch die Bedingungen für ein alternsgerechtes Arbeiten geschaffen werden.
  3. Befristete und Leiharbeitsverhältnisse nehmen zu und werden politisch gefördert. Bei den Betroffenen ist eine Kumulation von Gesundheitsrisiken feststellbar.

Es handelt sich zunächst um betriebspolitische Herausforderungen. Der Arbeitsdruck und die psychischen Belastungen seien mittlerweile ein »erstrangiges Problemfeld«, wie alle Umfragen und betrieblichen Berichte bestätigten. In mehreren IG-Metall-Bezirken sind deshalb Aktionen unter dem Motto »Tatort Betrieb: Psychische Belastungen - Terror für die Seele« gestartet worden.

Darüber hinaus will die IG Metall zu diesem Problemfeld neue Konzepte entwickeln und Forderungen an die Politik formulieren, zumal von den Arbeitgebern ähnliche Initiativen bisher nicht kommen.

Die Gewerkschaft monierte auch, daß die rot-grüne Koalitionsvereinbarung von 2002 zwar eine Erweiterung der Initiative »Neue Qualität der Arbeit« angekündigt hat, das zuständige Ministerium aber keine eigenen Aktivitäten entwickelt, um die Vereinbarung in irgendeiner Form umzusetzen.

Jürgen Räuschel

   

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