»Perspektivenkongress - Es geht auch anders«
14. - 16. Mai Berlin

Berichterstattung

   Abschlußdiskussion des Perspektivenkongresses
   In einem einleitenden Statement mit 12 Thesen versuchte Roland Roth von der Fachhochschule Magdeburg den gemeinsamen Nenner und die Herausforderungen als Fragen für das Podium zu formulieren. Er sieht ein gemeinsames Unbehagen an der herrschenden Politik, deren kleinster gemeinsamer Nenner die Kritik an der neoliberalen Ideologie ist. Er sieht die Tendenz zu einer Aushöhlung der Demokratie, weg von der Volksdemokratie hin zur Marktdemokratie mit Experten- und Beratungsgremien. Es müssen innerhalb des breiten Bündnisses Klärungsprozesse erfolgen. Revolutionäre Sonntagsreden helfen nicht weiter, es müssen gemeinsame kreative Widerstandsformen entwickelt werden. In der Diskussion wurde auf diese Thesen nur wenig eingegangen. Vielmehr ging es darum Vertrauen zu entwickeln und in sich auf Augenhöhe zu begegnen. Ein Vertreter der Arbeitsloseninitiativen wurden mit auf das Podium genommen, nachdem einige gegen den Ausschluß durch eine Plakataktion demonstriert hatten. Bsirske bezeichnete den Kongress als Fundgrube an Informationen. Er formulierte 4 Punkte:
  • Arbeit darf nicht arm machen
  • Die Starken in Gesellschaft müssen sich an der Finanzierung des Sozialstaats beteiligen
  • Mit der Rente muß der Mensch ein ausreichendes Einkommen haben
  • Es darf keine Klassenbildung geben

Die Studentenvertreterin Nele Hirsch berichtete über die Studentenproteste, die sich gegen Bildungs- und Sozialabbau gerichtet haben. Sie steht der Neugründung einer Partei nicht negativ gegenüber, während Adolf Braun vom Sozialverband die Parteien zur Änderung ihrer Politik zwingen will. Mechthild Janzen, Feministin und freie Autorin, sieht die Frauenfrage, die eine Männerfrage und damit eine gesellschaftliche Frage ist, auf den Kongress unterbelichtet und fordert den Ausstieg aus dem Herrschaftssprech der Diskutierenden, den alle perfekt beherrschen.
Zu den Formen des Widerstands postuliert Kerstin Sack (Attac) die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Widerstandsformen des Zivilprotestes.
Hugo Braun (Initiative für ein Sozialforum) begrüßt, dass sich die Gewerkschaften weg von der SPD bewegen und das die vielen guten Ideen zu materieller Gewalt und Veränderungen führt.
Der Autor selbst fühlt sich etwas an die autonome und Anti AKW-Bewegung erinnert. Nur das die Beteiligten wesentlich älter sind und scheinbar bisher nur auf die offizielle Stellvertreterpolitik gesetzt haben. Eine Bereitschaft zur Selbstaufklärung ist bei allen Beteiligten vorhanden, aber ob die Bereitschaft zur Selbstermächtigung und zu einer neuen autonomen Bewegung wird, wünscht sich der der Autor, hegt aber einige Zweifel. Zu schwach sind die Analysen, zu unterschiedlich die Interessen aber ein Anfang ist gemacht.
Um mit Adorno zu sprechen: Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, sich weder von der Macht der Anderen, noch von der eigenen Ohnmacht dumm machen zu lassen.

Peter Ridder

   

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